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Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung (2020)

Worum geht’s?

Die Deutsche Maja Göpel ist Politökonomin, Transformationsforscherin, Expertin für Nachhaltigkeitswissenschaft und Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Sie ist überzeugt, dass sich unsere Lebens- und Wirtschaftsweisen grundlegend ändern müssen. Ihr Buch ist «eine Einladung», eine Einladung dazu, die Wirtschaft umzubauen. Wir können darin nachlesen, wie Neoliberalismus, ständiges Wachstums und ökologischer Raubbau an ihre Grenzen stossen. Göpel analysiert nicht nur das herrschende ökonomische Wachstumsmodell, sondern rechnet auch vor, wie sich Verteilungsgerechtigkeit bewerkstelligen liesse.

 

Meine Lieblingsstelle

Im Kapitel «Technologischer Fortschritt» erläutert Göpel eindrücklich, wie technologischer Fortschritt meist eben grad nicht zu Einsparungen, sondern im Gegenteil zu weiterem Verbrauch führt. Bei der Glühbirne zum Beispiel wurde der Kohlefaden später durch einen Wolframfaden ersetzte und dadurch ein Viertel des Stromverbrauchs eingespart. Dadurch, dass die Leute nun mit weniger Strom zu gleich viel Licht kamen, war mehr Strom auf dem Markt, der Preis für Elektrizität fiel, und elektrisches Licht wurde plötzlich für Menschen erschwinglich, die es sich bisher nicht leisten konnten. Aus einem Luxusprodukt wurde ein Massenprodukt, der Strombedarf stieg in der Summe an. Eine Steigerung der Effizienz hatte unter dem Strich einen Anstieg des Energieverbrauchs zur Folge. Der gleiche Mechanismus lässt sich auch an moderneren Beispielen beobachten.

 

Was mir am Buch besonders gefällt

Göpel erzählt keine bahnbrechenden Neuigkeiten, sondern sie wagt vielmehr den Versuch, Greta und Adam Smith, Umweltforschung und Systemkritik auf knappem Raum in eine kurzweilige Lektüre zu verpacken. Trotzdem ist das Buch keine Feel-good-Lektüre. Göpel bekundet Sorge und Erstaunen über unsere Haltung der Welt gegenüber. Durch unsere alltägliche Praxis sowohl als Konsument*innen als auch als Bürger*innen und Wähler*innen vernichten wir unsere Lebensgrundlage.

 

Vielleicht ist der Ton des Buches ab und zu etwas pädagogisch. Göpel lotst zum Beispiel die Leser*innen von Kapitel zu Kapitel mit Wiederholungen („Sie erinnern sich …“) und Zwischenfragen („Wie klingt das für Sie?“) sowie eingängigen Beispielen, anhand derer die Probleme der neoliberalen Welt schnell offensichtlich werden. Etwas Vorsicht ist auf jeden Fall angebracht, denn manchmal sind die Probleme sehr wohl komplexer, als dass sie sich mit kurzen Anekdoten zusammenfassen liessen. Trotzdem ist das Buch absolut lesenswert.

 

Wem ich das Buch empfehlen würde

Allen, die während der Corona-Krise auch die anderen Probleme auf diesem Planeten nicht aus den Augen verlieren möchten. Maja Göpel erklärt Zusammenhänge auf unterhaltsame und lehrreiche Weise.

 

O-Ton aus dem Buch

Während der Menschheit lange sehr viel Planet für wenig Mensch gegenüberstand, gibt es heute für immer mehr Menschen immer weniger Planet.