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Michiko Aoyama: Frau Komachi empfiehlt ein Buch (Rowohlt Kindler, 2023)

Aus dem Japanischen übersetzt von Sabine Mangold

 

Worum geht’s?

Sayuri Komachi ist Bibliothekarin in einem Gemeindezentrum in Tokyo. Das Buch erzählt in fünf Kapiteln von fünf Personen, die sich mit einer spezifischen Frage zu Büchern an die Bibliothekarin wenden. Frau Komachi fragt jeden von ihnen zunächst etwas rätselhaft: «Wonach suchen Sie?». Im Kopf der fragenden Personen beginnt sogleich ein Gedankenkarussell: Nach dem Sinn und Zweck meiner Arbeit, nach einer geeigneten Beschäftigung, nach dem Ziel des Lebens… Selbstverständlich sagen sie das nicht laut, sondern beschränken sich auf die informative Antwort, zum Beispiel «ein PC-Handbuch». Die Bibliothekarin verwickelt sie dann jeweils in ein kurzes Gespräch, in dem sie etwas über die Person erfährt, und drückt ihnen am Schluss eine Bücherliste in die Hand, auf der mehrere Bücher zum gesuchten Thema stehen, aber auch immer ein Buch, das überhaupt nichts mit dem Thema zu tun hat. Zusätzlich schenkt sie ihnen als «Zugabe» einen selbst gefilzten Gegenstand. Durch dieses Extrabuch und den Gegenstand nimmt das Leben der Personen dann auf wundersame Weise eine neue Wendung.

 

Für westlich sozialisierte Leserinnen und Leser mag der Stil des Romans ungewohnt anmuten. Die Dialoge wirken leicht künstlich, teilweise klingt es didaktisch. Wenn eine Person zum Beispiel sagt: «Verstehe. Es ist also durchaus in Ordnung, wenn etwas anderes herauskommt als das, was man ursprünglich im Sinn hatte.», dann hat die Leserin dies längst schon begriffen. Doch die kurzen Einblicke in die Leben der fünf Personen sind spannend. Da ist die 21-jährige Verkäuferin Tomoka, die dank eines Bilderbuchs beginnt, Kuchen aus ihrer Kindheit zu backen, oder der 35-jährige Buchhalter Ryo, der sich für Unternehmensgründung interessiert und ein Buch über Botanik erhält. Die 40-jährige ehemalige Zeitschriftenredakteurin Natsumi sucht ein Bilderbuch für ihre Tochter, der 30-jährige Arbeitslose Hiroya sucht Mangas, weil er Cartoonist werden möchte, und erhält ein Buch über Darwins Evolutionstheorie. Der 65-jährige Rentner Masao sucht eine Anleitung für das Go-Spiel und erhält einen Band mit Kindergedichten.

 

Wenn es euch nun interessiert, was aus den fünf geworden ist, dann empfehle ich die Lektüre gern.

 

Was mir am Buch besonders gefällt

Eine Bibliothekarin beeinflusst das Leben ihrer Kundinnen und Kunden zum Besseren. Klingt doch toll, gelingt mir das vielleicht auch? Aber im Gegensatz zu Frau Komachi habe ich am Arbeitsplatz keine Zeit zum Filzen…

 

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