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Flurina Badel: Nebelflüchtige ( Rotpunktverlag, 2026)

Worum geht’s?

Ein Dorf im Unterengadin. Immer mehr Junge ziehen weg, immer mehr Touristen kaufen alte Engadiner-Häuser und bauen sie zu Ferienwohnungen um. Aita hat das Dorf für das Studium verlassen und ist in dann Wien geblieben. Als ihre Mutter stirbt, kehrt sie ins Dorf zurück, um das Haus zu räumen und mit den beiden Brüdern, die inzwischen mit ihren Familien in Chur und Basel leben, den Verkauf zu regeln. Werden sie, wie die meisten, das Haus an den Meistbietenden verkaufen? Oder es der jungen Familie aus dem Dorf geben, die es so gerne möchte?

 

Luis, ein früherer Klassenkamerad von Aita, war ehemals Treuhänder und führt jetzt den Dorfladen. Er hat eine unglaubliche Wut auf all die Einheimischen, die ihre Häuser an Auswärtige verkaufen. Inzwischen kommen die singenden Kinder am Umzug von Chalandamarz kaum mehr an den vielen filmenden Touristen vorbei. Während Aita sich immer mehr zurückzieht und in eine Depression verfällt, gibt sich Luis kämpferisch. Er bringt seine Wut in der 1.-August-Rede und in Leserbriefen zum Ausdruck. Die meisten Freunde finden ihn zu extrem und wenden sich von ihm ab. Der Tourismus hilft dem Dorf schliesslich auch zu überleben. Wird am Ende alles gut, wie Luis’ Kinder auf ein Plakat in seinem Laden schreiben?

 

Was mir am Buch besonders gefällt

Journalistisch wird momentan einiges geschrieben über den «Ausverkauf» von Engadiner Dörfern. Die Fakten in der Zeitung zu lesen ist jedoch nicht dasselbe, wie in einem Roman mit den Figuren mitzufühlen, ihre Wut und Verzweiflung zu spüren. Die Autorin packt ein wichtiges Thema in einen (auf Unterengadiner Mundart Vallader geschriebenen) Roman, in dem die beiden Protagonisten Luis und Aita zwei verschiedene Wege wählen, die leider beide nicht gesund sind. Die Autorin verwendet viel Sorgfalt und Detail auf die beiden Hauptpersonen, während die restlichen Figuren leider etwas blass bleiben.

 

Dass sich Nebelflüchtige sowohl auf die Touristen beziehen kann, die aus dem Nebel fliehen, wie auch auf Aita, die sich in einen Nebel zurückzieht, ist ein schönes Detail des Romans.

 

Originalton aus dem Buch

 Die Tür klingelt für eine Dame in elegantem Trainingsanzug. Eigentlich ist Nebensaison. Die Frau grüsst mit Basler Akzent.

 

«Gibt’s bei Ihnen einen Ort, um Anzeigen aufzuhängen?»

 

Luis zeigt auf das schwarze Brett in der Lounge. Für ihn ist der Fall schon klar. Eine Nebelflüchtige, wie Peider Andri sagt.

 

«Ich würde gern dieses Inserat aufhängen. Aber vielleicht können Sie uns ja gleich weiterhelfen. Wir möchten ein Haus oder wenigstens einen Teil eines Engadinerhauses kaufen.»

 

«Warum?», fragt Luis und denkt: Volltreffer! Und dass er einen Punchingball im Lagerraum montieren könnte.

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